Münster - Der Rosenmontagszug war zumindest in einer Beziehung weltmeisterlich: Da, wo es um die Fußball-WM 2010 ging, ließen die Wagenbauer an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig. „So sehen Sieger aus“, hieß es beispielsweise auf einem Wagen. Und ein anderer verkündete unmissverständlich: „Jetzt werden wir wieder Weltmeister.“ Da wurde es den bis zu 85 000 Zuschauern (Polizeischätzung) an den Straßenrändern trotz frostiger Temperaturen warm ums Herz. Zumal der Zug auch sonst über weite Strecken seinem Motto „Volles Rohr Karneval“ gerecht wurde.
Erwartungsgemäß stark vertreten im Zugprogramm war diesmal die Kommunalpolitik - die mit dem Acht-Parteien-Heckmeck ja auch beste Vorlagen geliefert hatte. So reimten die Obergeister „Ratbeschlüsse fallen schwer, Sechserbande mauert sehr“ und präsentierten dazu ein paar überdimensionale WN-Karikaturen. Die KG Soffie von Gievenbeck ließ das CDU/FDP-Koalitionsschiff gegen einen Mehr-Parteien-Eisblock brettern. Und bei der KG Pängelanton hieß es: „Markus hat´s geschafft - hoffentlich auch gerafft.“
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Ansonsten war fast alles im Zug vertreten, was in den letzten Monaten Schlagzeilen gemacht hat - von der „Traumhochzeit“ in Berlin bis zur Abwrackprämie, von der Bankenkrise bis zum Klimagipfel, vom Picassoplatz bis zur Hiltruper „Trockenrutsche“. Und die „Düörper Jungs“ hatten kurzfristig auch noch das Kamelle-Verbot auf die Schüppe genommen: „Bonbons werfen geht hier nicht, in Münster gilt die Tütenpflicht.“
Für fantasievolle Farbtupfer sorgten wie immer die Holländer mit zum Teil wahnwitzigen Konstruktionen. Eine davon sorgte freilich auch für Aufregung: Weil eine Giraffenhals-Hydraulik ihren Geist aufgab und demontiert werden musste, ging´s beim Zugstart drunter und drüber. Was den „Lindwurm der Freude“ aber nicht hinderte, anschließend zügig wie selten durch die Stadt zu juckeln.
Den Schlusspunkt setzte der prächtige Wagen der Prinzengarde mit Prinz Andreas IV., der noch einmal sein Motto hochleben ließ: „Volles Rohr Karneval.“
Zugkommandant Dr. Helge Nieswandt war am Ende denn auch zufrieden: „Die Wagenbauer haben einiges dazugelernt“, meinte er - und auch das Publikum: „Das schien mir fröhlicher und aufgeräumter als sonst.“


