Münster - Morgenstunde hat, entgegen den Versprechungen des bekannten Sprichwortes, nicht immer Gold im Munde. Das gilt zumindest für die beiden polnischen Brüder im Alter von 34 und 37 Jahren, die laut Anklage in der Nacht zum 13. Oktober 2009 einen Einbruch in das Juweliergeschäft Oeding-Erdel am Prinzipalmarkt in Münster verübten und nur wenige Stunden später von der Polizei samt Beute festgenommen wurden.
Seit Dienstag muss sich das aus Warschau stammende Duo vor der 9. Großen Strafkammer wegen Bandendiebstahls verantworten. Wie die Staatsanwältin zu Prozessbeginn ausführte, gehörten die Brüder einer Bande an, die sich zur „fortgesetzten Begehung von Diebstählen verbunden“ hatten. In der Tatnacht schlugen sie auf der rückwärtigen Seite des Juweliergeschäfts eine Scheibe ein und durchsuchten Schubladen und Schränke. Die Täter erbeuteten laut Anklage 101 hochwertige Uhren der Marken Breitling, Maurice Lacroix, Meistersinger und Longines im Gesamtwert von über 110 000 Euro. Der Versuch, mit einem Vorschlaghammer eine Plexiglasscheibe zu zertrümmern, misslang. Als Alarm ausgelöst wurde, flüchteten die Männer.
Sie konnten sich nicht lange über ihre Beute freuen. Gegen 11.30 Uhr wurden sie an einem Parkplatz an der Wasserstraße festgenommen, wo sie einen Mercedes mit einem polnischen Kennzeichen und einen VW-Transporter mit einem österreichischen Nummernschild geparkt hatten. Beide Männer waren zuvor in dem VW-Bully gewesen, in dem von dem Beamten eine Sporttasche mit den gestohlenen Uhren und das Einbruchswerkzeug sichergestellt wurde.
Die beiden Angeklagten machten zum Prozessauftakt weder Angaben zu ihrem Werdegang noch zur Sache. „Sie wollen mit der Tat nichts zu tun haben“, erklärte einer der Verteidiger. Die Brüder waren jedoch drei Tage vor dem Einbruch in dem Juweliergeschäft Oeding-Erdel aufgefallen, als sie sich nach Uhren umgesehen hatten. Sie passten nicht zu dem üblichen Kundenkreis, so dass Geschäftskollegen und die Polizei vorsorglich alarmiert wurden. Im Rahmen einer Fahrzeugüberprüfung notierten sich die Beamten das Kennzeichnen des Mercedes aus Polen. Nach dem Einbruch wurden die Beamten im Rahmen einer Ringfahndung dann schnell fündig.
Die beiden Polen hatten die Tat nach ihrer Festnahme abgestritten. Allerdings hatten sie gegenüber einem 41-jährigen Polizeibeamten eingeräumt, dass ihnen ein Bekannter „heiße Ware“ angeboten habe. Diese hätten sie dann in dem VW-Transporter besichtigt.


