BRITTA HEITHOFF, MüNSTER | MENSCHEN, KULTUR
Der Künstler Armin Weinbrenner
Dienstag, 14.Sep. , 11:03

Im Interview: Armin Weinbrenner

Armin Weinbrenner wurde 1965 in Siegen geboren. Er studierte in Münster bei Professor Troschke, wonach er in Köln als freischaffender Künstler arbeitete. Seit sieben Jahren lebt Weinbrenner wieder in Münster, wo er von der Galerie Ostendorff vertreten wird. Zsuzsa Miles sprach mit dem Künstler …


Galerie Ostendorff: Herr Weinbrenner, Sie haben in Münster an der Fachhochschule für Design bei Professor Troschke studiert. Nach dem Studium sind Sie nach Köln gezogen und sind einige Jahre später wieder nach Münster zurück gekehrt. Ist Münster auch Ihre „lebenswerteste Stadt“?

Armin Weinbrenner: Wenn man kleine Kinder hat, ist Münster ganz ideal, das stimmt. Aber es gibt auch andere lebenswerte Städte.

GO: Für die Umsetzung Ihrer Kunstwerke haben Sie eine eigene Technik entwickelt. Sie „malen“ Ihre Gemälde mit Druckfarben und -walzen. Wie kam es dazu?

AW: Das kam mit den Holzschnitten, als ich 1992 bei Prof. Troschke Examen gemacht habe. Aus diesen Holzschnitten hat sich meine ganze Arbeit entwickelt. Während der Arbeit mit den Druckstöcken kam es zu Überlagerungen verschiedener Farbschichten. Das erschien mir sehr reizvoll. Und ehrlich gesagt trockneten bei mir auch die Pinsel ein. Deswegen habe ich immer lieber mit den Walzen gearbeitet. Die gehen nicht so schnell kaputt … Man muss im Atelier aufmerksam sein und gucken, den Zufall ein bisschen zwingen, dann ergibt eins das andere. Es ist ein kontinuierlicher Prozess. Es ist nicht so, dass man sich hinsetzt und denkt „ich will jetzt etwas machen, was noch niemand gemacht hat“. Beim Arbeiten ergibt immer eins das andere.

GO: Neben den so genannten Farbrelieftafeln, Leinwand- und Papierarbeiten arbeiten Sie auch mit Hinterglasmalerei. Wie entsteht so ein Bild?

AW: Es hat viel mit Konzentration, innerer Sammlung zu tun. Am Anfang ist es erst mal so, dass man sich ein Format überlegt, auf das man arbeiten möchte und dann hat man die Acrylglasplatte im Atelier stehen. Dann dauert es ganz lange: man schaut sich das Format an und überlegt, was man machen könnte. Und wenn man dann so eine innere Spannung aufgebaut hat, dass es fast schon nervt, dass die Platte dort steht und man nicht weiß, was man machen soll, aber man weiß, dass etwas passieren muss … Dann fängt man an und dann geht es relativ schnell. Arbeiten auf Acrylglas entspricht in etwa dem Gegenteil zu dem Arbeiten auf Holz. Die Holzarbeiten überarbeite ich teilweise noch nach Jahren. Bei den Hinterglasbildern geht das nicht. Man muss sich also sehr lange überlegen, was man machen will. Und wenn man dann anfängt, dann müsste es eigentlich von alleine gehen. Das ist wie mit dem Bogenschützen, der ganz lange dasteht und nichts macht und wenn er losschießt, ins Schwarze trifft. Das seitenverkehrte Arbeiten, das bei den Acrylglasbildern gemacht wird, bin ich schon von den Holzschnitten gewohnt. Nichtsdestotrotz ist es nicht ganz so einfach, weil man die Leserichtung von links oben nach rechts unten gewohnt ist. Und wenn man spiegelverkehrt malt, dann kann es am Ende sein, dass das Bild „verkehrt herum“ aussieht. Ich finde die Ergänzung von Holz- und Acrylglasarbeiten ganz interessant, weil man quasi den malerischen Prozess auf den Kopf stellt. Das schnelle Arbeiten auf der einen Seite und das langsame auf der anderen befruchten sich gegenseitig und ergibt einen schönen Kontrast. Die Farben sind zwar die gleichen, die ich bei den unterschiedlichen Bildträgern verwende, das Ergebnis ist aber sehr unterschiedlich.

GO: Haben Sie so etwas wie ein „Lieblingsmotiv“, das in Ihrem Werk immer wiederkehrt?

AW: Ein spitzes Oval, das an ein Blatt erinnert, aber auch viele andere Deutungsweisen zulässt. Das kommt öfter bei mir vor.

GO: Momentan zeigt die Galerie Ostendorff Gouachen und Radierungen Emil Schumachers, eines der wichtigsten Vertreter des Informel. Sie selbst sind ein großer Bewunderer des Künstlers. Gibt es Schnittstellen zwischen Ihren und Schumachers Arbeiten?

AW: Am ehesten finde ich an Künstlern ihre Persönlichkeit, wie sie an ihre Kunst und Bilder heran gehen, bewundernswert. Schumacher war ein integerer Mann. Er ist trotz seiner Berühmtheit nie ganz aus Hagen weggegangen. Siegen und Hagen sind im Gegensatz zu Münster eher industriell geprägte Städte, die keine Preise für Lebensqualität gewinnen. Dass Schumacher so die Bodenhaftung behalten hat, das finde ich schon richtig gut. Er hat sich nicht verstellt, er hat keine Show gemacht, er hat sich nicht vor, sondern hinter seine Bilder gestellt. Die Schnittstelle zwischen uns bildet wohl am ehesten der intuitive Umgang mit Farbe.

Armin Weinbrenners Arbeiten sind seit Ende 2009 fester Bestandteil der Galerie Ostendorff in Münster. Eine Einzelausstellung mit den Werken des Künstlers ist für die erste Hälfte 2011 geplant.

Das Interview mit Armin Weinbrenner führte Zsuzsa Miles von der Galerie Ostendorff.



Bildergalerie
Im Interview: Armin Weinbrenner
Blick auf die Walzenpresse …
Weinbrenners Atelier
Einige Werke Weinbrenners …

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